Poesie als Kulturvermittler: Lesung – Gedichte über chinesische Feiertage und Erinnerungen: „Der Frühling frisst den Winter“

Am Abend des 04. Dezember 2025 empfing das Chinesische Kulturzentrum Berlin die chinesische Autorin, Künstlerin und Kuratorin Wang Lan in seinen Räumlichkeiten zu einem „Kultursalon“. Der Anlass war eine Lesung aus Wang Lans in diesem Jahr erschienen Gedichtband „Der Frühling frisst den Winter“ – ein zweisprachiges Kindergedichtbuch mit Illustrationen der Autorin selbst.
Vizedirektor des Kulturzentrums – Herr He Wenbo – betonte in seinen Grußworten die besondere Kraft von Poesie und Kunst: Durch feine Nuancen und den Ausdruck gemeinsamer Gefühle können diese Leserinnen und Leser verschiedener Kulturen ansprechen – jenseits von Sprach- und Lebenshintergrund – und spielen so eine besondere Rolle in der Kulturvermittlung.
Im ersten Teil der Veranstaltung gab Wang Lan dem Publikum in entspannter Atmosphäre Einblicke in einige chinesische Feiertage und Bräuche, wie das chinesische Neujahrsfest, Drachenbootfest und Mondfest, sowie auch einprägsame Kindheitserinnerungen, wie die Aufzucht von Seidenraupen und das Flechten von Eiernetzen, indem sie Illustrationen und Gedichte aus ihrem Buch zeigte und – trotz hervorragender Deutschkenntnisse - unter Assistenz deutscher Muttersprachler ihre zweisprachigen Gedichte vortrug. Die Einblicke in chinesische Bräuche weckten im Publikum reges Interesse und sorgte für Interessierte Wortmeldungen. Besonders die persönlichen Geschichten aus dem Leben der Autorin, wie etwa über Maulbeerbäume in China und in Deutschland, regten das Publikum zum Teilen und Partizipieren an. Für viele Teilnehmende ohne Chinesischkenntnisse war besonders der chinesische Teil des Vorlesens interessant, da sich Melodie und Emotion von Dichtung auch ohne Verständnis des Inhalts erfahren lassen.

Die Lesung endete mit einem Gedicht über Scherenschnitte, woraufhin das Publikum im zweiten Teil der Veranstaltung die Möglichkeit hatte, selbst Hand anzulegen und mit speziellen Scheren sowie rotem Seidenpapier nach traditioneller Technik chinesische Schriftzeichen zu schneiden.
Der kreative Teil stieß bei Jung und Alt gleichermaßen auf Begeisterung. So berichtete die kleine Anna Sójka, endlich die Bedeutung des Drachen verstanden zu haben, denn dieser stehe für das Drachenbootfest und die Drachenboote. Ihr gelang es, das Schriftzeichen für „Frühling“ auszuschneiden und nahm sich noch eine weitere Vorlage mit nach Hause, um später weiterzuschneiden.
Auch Matthias Hoppe, der Wang Lan schon aus seiner Nachbarschaft kennt, war von der Veranstaltung inspiriert. Ihm gefiel besonders, dass die chinesischen Gedichte auch mit Pinyin gezeigt wurden, sodass er die Klänge der chinesischen Sprache nachempfinden konnte.
Die Mutter Xiaoxia Chen, die mit ihren drei Kindern teilnahm, drückte aus, sie habe speziell für das Vorlesen auf Deutsch und Chinesisch eine lange Anreise in Kauf genommen, da sie diese Erfahrung besonders für ihre Kinder wichtig finde.

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